Treudelberg: Golfen und Jetset
2. August 2009 von Golfchris | kein Kommentar
An einem warmen und sonnigen Freitagabend bin ich auf dem Weg in meine Vergangenheit. Ich kehre auf die Feldmark zurück, auf der ich gut 30 Jahre vorher als Kind gespielt und als Jugendlicher meine Begeisterung für die Natur gefunden habe. Rund um den schönen Kupferteich in Poppenbüttel gab es damals nur Felder, Wald, den Reitstall am Treudelberg und einen Campingplatz mit Dauercampern.
Heute sieht es hier ganz anders aus: Die Dauercamper sind gegangen und den Horden von “Gassigehern” gewichen. Der Reitstall ist Geschichte und seit vielen Jahren steht an seiner Stelle das 5* Hotel Treudelberg. Als dieses gebaut wurde, entstand auch ein 18 Loch Golfplatz mit Drivingrange und Kurzplatz. Das ganze auf (sagen wir) hohem finanziellem Niveau.
Nicht nur das Greenfee war immer den 5* angepasst, auch die Mitgliedsgebühren und die Aufnahmegebühr war sportlich. So hatte ich ich Anfang der 90er-Jahre nach einem Schottlandurlaub die völlig verrückte Idee in Deutschland einem Golfclub beizutreten. Meine Wahl viel auf einen Club in meiner Heimat und ich fragte einfach an einem Stand des Hotels im Alstereinkaufszentrum (AEZ) nach den Konditionen für eine Mitgliedschaft GC Treudelberg. Die Antwort (als auch die Art, wie diese Antwort nonverbal an den Studenten der einfach Golf spielen wollte übermittelt wurde) hat mich dann 10 Jahre vom Golfspielen in Deutschland abgehalten. Golf als Breitensport war damals sicherlich kein Thema…
Neben den alten 18 Löchern existiert seit dem Sommer nun auch ein neuer 9 Loch Kurs (C-Platz), dem meine Neugierde an diesem Abend galt.
Um es kurz zu machen: Der Platz ist wirklich eine Granate und hebt sich deutlich von den alten, etwas langweiligen 18 Löchern (heute A- und B-Platz), ab. Das ehemals fast platte, leicht abfallende Gelände südlich des Kupferteichs ist durch massive Erdarbeiten völlig verändert worden. Sehr viel Wasser, Wastebunker, tiefes Rough und reichlich modellierte Fairways machen das Spiel spannend und fordernd. Das aktuelle Rating ist daher eher nicht nach zu vollziehen. Insbesondere das kurze Par4 (Bahn C5) mit seinem Inselgrün (frontaler Bunker, keine Tiefe) lässt sich bei trockenem Grün nur schwer anspielen, da man ohne extremen Backspin den Ball nicht vor dem rückwärtigem Wasser zum stehen bekommt. Sicherlich wird der Platz beim nächsten Rating einen höheren Slope erhalten.
Fazit: Ein Platz den man unbedingt gespielt haben muss!
So, nun habe ich den Platz jedem Golfer empfohlen…es gibt da aber noch die dunkle Seite der Anlage, die man unbedingt kennen sollte:
Der Treudelberg liegt (bei westlichen Winden) direkt unter der Einflugschneise des Flughafens Hamburg Fuhlsbüttel und verfügtzu diesem Zweck (nahe Bahn B8) über ein eigenes Anflugfunkfeuer. Das ist gut, wenn man Golfer und Plainspotter ist. Man kann dann während der Runde Schnappschüsse von den am Freitagabend im minutentakt über einem ein-schwebenden Jets machen.
Die “Rundenunterhaltung” der “Nur-Golfer” leidet allerdings, gelinde gesagt, etwas.
Diese Jets bringen offensichtlich auch einen Teil der Hotelgäste. So zum Beispiel auch die Tourproffesionals, die vor einigen Jahren die European Tour Turniere auf Gut Kaden spielten und zum Teil im Hotel Treudelberg untergebracht wurden. Leider aber auch Jetsetgolfer, die nicht unbedingt durch Spielgeschwindigkeit, Etikette oder Regelkenntnisse auffallen. Die Zahl der nicht entfernten Pitchmarken auf den wirklich guten Grüns, spricht Bände. Ebenso das Grußlose “an-einander-vorbei”-Rennen. Dabei möchte ich aber ganz deutlich und positiv die vielen japanischen Golfer auf dem Gelände ausnehmen, die einem stets freundlich begegneten.
Meine Rundenpartnerin drückte die Gesamtsituation so aus: “Hoher Elsenfaktor beim Golfabschlag auf Landebahnen”.
Meine Golfwelt ist das sicher nicht, mich irritiert Chanel No.5 beim Golfen und ich finde Lederbags immer noch unvorteilhaft. Ich halte es da eher mit sportlichem Golf und ACDC. Sie wissen schon, die mit “Money talks”.
Das wird sicher auch so bleiben: Der Treudelberg läuft gut (Das merkt man schon bei Ankunft und Parkplatzsuche) und ich golfe jet(set)frei an anderen Orten .



