Treudelberg: Golfen und Jetset

An einem warmen und sonnigen Freitagabend bin ich auf dem Weg in meine Vergangenheit. Ich kehre auf die Feldmark zurück, auf der ich gut 30 Jahre vorher als Kind gespielt und als Jugendlicher meine Begeisterung für die Natur gefunden habe. Rund um den schönen Kupferteich in Poppenbüttel gab es damals nur Felder, Wald, den Reitstall am Treudelberg und einen Campingplatz mit Dauercampern.

Heute sieht es hier ganz anders aus: Die Dauercamper sind gegangen und den Horden von “Gassigehern” gewichen.  Der Reitstall ist Geschichte und seit vielen Jahren steht an seiner Stelle das 5* Hotel Treudelberg.  Als dieses gebaut wurde, entstand auch ein 18 Loch Golfplatz mit Drivingrange und Kurzplatz. Das ganze auf (sagen wir) hohem finanziellem Niveau.

Nicht nur das Greenfee war immer den 5* angepasst, auch die Mitgliedsgebühren und die Aufnahmegebühr war sportlich.  So hatte ich ich Anfang der 90er-Jahre nach einem Schottlandurlaub die völlig verrückte Idee in Deutschland einem Golfclub beizutreten. Meine Wahl viel auf einen Club in meiner Heimat und ich fragte einfach an einem Stand des Hotels im Alstereinkaufszentrum (AEZ) nach den Konditionen für eine Mitgliedschaft GC Treudelberg. Die Antwort (als auch die Art, wie diese Antwort nonverbal an den Studenten der einfach Golf spielen wollte übermittelt wurde)  hat mich dann 10 Jahre vom Golfspielen in Deutschland abgehalten.  Golf als Breitensport war damals sicherlich kein Thema…  ;-)

Neben den alten 18 Löchern existiert seit dem Sommer nun auch ein neuer 9 Loch Kurs (C-Platz), dem meine Neugierde an diesem Abend galt.

Um es kurz zu machen: Der Platz ist wirklich eine Granate und hebt sich deutlich von den alten, etwas langweiligen 18 Löchern (heute A- und B-Platz), ab. Das ehemals fast platte, leicht abfallende Gelände südlich des Kupferteichs ist durch massive Erdarbeiten völlig verändert worden. Sehr viel Wasser, Wastebunker, tiefes Rough und reichlich modellierte Fairways machen das Spiel spannend und fordernd. Das aktuelle Rating ist daher eher nicht nach zu vollziehen.  Insbesondere das kurze Par4 (Bahn C5) mit seinem Inselgrün (frontaler Bunker, keine Tiefe) lässt sich bei trockenem Grün nur schwer anspielen, da man ohne extremen Backspin den Ball nicht vor dem rückwärtigem Wasser zum stehen bekommt.  Sicherlich wird der Platz beim nächsten Rating einen höheren Slope erhalten.

Fazit: Ein Platz den man unbedingt gespielt haben muss!

So, nun habe ich den Platz jedem Golfer empfohlen…es gibt da aber noch die dunkle Seite der Anlage, die man unbedingt kennen sollte:

Der Treudelberg liegt (bei westlichen Winden) direkt unter der Einflugschneise des Flughafens Hamburg Fuhlsbüttel und verfügtzu diesem Zweck (nahe Bahn B8) über ein eigenes Anflugfunkfeuer. Das ist gut, wenn man Golfer und Plainspotter ist.  Man kann dann während der Runde Schnappschüsse von den am Freitagabend im minutentakt über einem ein-schwebenden Jets machen.

Die “Rundenunterhaltung” der “Nur-Golfer” leidet allerdings, gelinde gesagt, etwas.

Diese Jets bringen offensichtlich auch einen Teil der Hotelgäste.  So zum Beispiel auch die Tourproffesionals, die vor einigen Jahren die European Tour Turniere auf Gut Kaden spielten und zum Teil im Hotel Treudelberg untergebracht wurden. Leider aber auch Jetsetgolfer, die nicht unbedingt durch Spielgeschwindigkeit, Etikette oder Regelkenntnisse auffallen. Die Zahl der nicht entfernten Pitchmarken auf den wirklich guten Grüns, spricht Bände. Ebenso das Grußlose “an-einander-vorbei”-Rennen. Dabei möchte ich aber ganz deutlich und positiv die vielen japanischen Golfer auf dem Gelände ausnehmen, die einem stets freundlich begegneten.

Meine Rundenpartnerin drückte die Gesamtsituation so aus: “Hoher Elsenfaktor beim Golfabschlag auf Landebahnen”.

Meine Golfwelt ist das sicher nicht, mich irritiert Chanel No.5 beim Golfen und ich finde Lederbags immer noch unvorteilhaft. Ich halte es da eher mit sportlichem Golf und ACDC.  Sie wissen schon, die mit  “Money talks”.

Das wird sicher auch so bleiben:  Der Treudelberg läuft gut (Das merkt man schon bei Ankunft und Parkplatzsuche) und ich golfe jet(set)frei an anderen Orten .


Im Frühtau in St. Dionys

Und wieder wurde der Platz des GC St. Dionys unter die TOP 10 der schönsten Golfplätze in Deutschland gewählt. Womit?  Mit Recht!

Diesen Platz am frühen Morgen zu spielen ist die reine Freude und schont den Geldbeutel. Das Greenfee beträgt für den frühen Vogel 35€. Dafür muss aber bis 8:00 Uhr abgeschlagen sein. Das gilt alle 7 Tage der Woche, auch am Wochenende.

Den Dionyser-Rehbock, von dem jeder schon einmal gehört hat, gibt es wirklich.  Er scheint sich mit den Golfern arrangiert zu haben und ist daher häufig in den Gebüschen, an den Fairways oder in einem der zahlreichen Kiefernwäldchen zu sehen. Kanadagänse, Kolkraben und zahlreiche Singvögel sind auf dieser Anlage heimisch, genau wie diverse Kröten, Frösche und Insekten. Schlangen habe ich noch nicht gesehen…

Mehr Angst als vor möglichen Schlangen, scheint mein Unterbewußtsein vor Bahn 4 zu haben. Das Par 5 Loch ist lang und gerade. Immer wieder lande ich mit meinen Abschlägen im Teich oder meine Fairwayschläge (die Länge machen sollen) im Schatten tief überhängender Bäume. Ich bin gespannt, wann ich das erste Mal meine 2 Stabelford Punkte einkassieren kann. Ich war schon mit einem Punkt gut bedient, nachdem die Birke am Grün so freundlich war, den Ball auf selbiges zu lenken… ;-)

Bahn 5 entspannt dann die Seele mit dem Blick zum Grün. Den Topfbunker kann man nur erahnen… irgendwann fühlt man ihn aber auch einmal.

comp_2009_05_09_14246

Bahn 5, Par 3, frontales Wasser und Topfbunker am Grün.

comp_2009_05_09_14271

Bahn 12, Par 3, frontales Wasser und Hookertümpel neben dem Grün.

comp_2009_05_09_14341

Bahn 17, Par 4, Waldlichtung mit Golfloch.

Der kulinarische Golf-Tipp lautet:

Golf von 8:00 bis 12:00 Uhr, Hefeweizen und dann Spargel mit Wienerschnitzel.

Einfach der Hammer! ;-)



Golfbarometer des DGV (Frühjahr 2009)

Geschäftserwartungen gedämpft Frühjahrs-Golfbarometer des Deutschen Golf Verbandes offenbart zurückhaltende Erwartungen der Clubs

“Im Frühjahr 2009 sind die Geschäftserwartungen der Mitgliederclubs des Deutschen Golf Verbandes (DGV) gedämpft.”

(Quelle: DGV Pressemitteilung)

Nur 204 von 683 Golfanlagen beteiligten sich an der Frühjahrsumfrage des DGV. Warum eigentlich eine so geringe Beteiligung?

Hier die wichtigsten Aussagen:

1. “Die Erwartungen an die aktuelle Saison hinsichtlich der Mitglieder-entwicklung sind analog zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage geringer als in den Vorjahren. Dennoch gehen 48 Prozent der Golfanbieter von steigenden Mitgliederzahlen 2009 aus. Fast 44 Prozent erwarten eine Stagnation. Knapp über acht Prozent äußern die Befürchtung, die Mitgliederzahl werde wahrscheinlich abnehmen.”

2. “Die Vollmitgliedschaft erlebt eine Renaissance: 94 Prozent der Golfanlagen bieten Vollmitgliedschaften an, das sind vier Prozentpunkte mehr als noch in der letzten Saison. Aber auch Werktagsmitgliedschaften und Fernmitgliedschaften liegen weiter im Trend. Gleichzeitig wächst die Anzahl der Clubs, die auf Einmalentgelte bei der Aufnahme von Neumitgliedern verzichten. Es sind nun fast schon ein Drittel der Clubs, im Gegensatz zu 27,7 Prozent im Vorjahr oder lediglich knapp 22 Prozent im Jahr 2006. Inzwischen akzeptieren auch fast 52 Prozent eine monatliche Zahlung der Jahresbeiträge, im Vorjahr lag diese Zahl noch bei 46,5 Prozent.”

3. “Es ist zu erwarten, dass die Preise für das durchschnittliche Greenfee auch 2009 weiter steigen werden, wobei insgesamt weniger Golfanlagen als noch zu Beginn 2008 eine Erhöhung planen. Zwei Drittel gaben an, die Spielgebühren nicht verändern zu wollen. Auch die Jahresbeiträge für Vollmitglieder steigen tendenziell, aber auf weniger Anlagen als zuvor.”

Ob die geplanten Greenfeeerhöhungen tatsächlich wirtschaftlich sinnvoll sind, werden wir am Jahresende sehen. Ich höre jedenfalls um Hamburg herum von deutlichen Rückgängen bei den Greenfeeeinnahmen praktisch aller Clubs in 2008. Dagegen ist der Wegfall von Aufnahmegebühren in immer mehr Clubs sicherlich der richtige Schritt um Golf zum Volkssport weiter zu entwickeln.